Weihnachts- und Neujahrsschreiben des Vorstandes und der Geschäftsführung an die Mitarbeitenden der BBT-Gruppe
"Wenn jemand Gerechtigkeit liebt,
in ihrem Mühen findet er die Tugenden.
Denn sie lehrt Maß und Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit,
die Tugenden, die im Leben der Menschen nützlicher sind
als alles andere."
(Thomas von Aquin, Weish 8,7)
Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Krankenhäusern und Sozialeinrichtungen der BBT-Gruppe,
seit der Antike beschäftigen sich die Menschen mit der Frage, an welche Prinzipien sie ihr Handeln orientieren sollen, um das Richtige zu tun und Fehler zu vermeiden. In vielen Situationen reicht es, mit Augenmaß, Herz und Verstand zur Tat zu schreiten. Dort wo wir Not sehen, handeln wir und sparen uns lange Diskussionen. Und doch gibt es Situationen, wo genau dies nicht möglich ist. Wo Entscheidungen zwischen zwei gleichwertigen Alternativen getroffen werden müssen, deren Konsequenzen nicht abschließend eingeschätzt werden können oder wo es unmöglich ist, alle Interessen und Erwartungen zu erfüllen.
Hier sollen uns die vier Kardinaltugenden „Maß“, „Klugheit“, „Gerechtigkeit“ und „Tapferkeit“ unterstützen, gute Entscheidungen zu treffen. In der christlichen Tradition werden diese Tugenden zusätzlich durch „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“ ergänzt, mit der wir Menschen in besonderer Weise in der Liebe Gottes verbunden sind.
Die Kardinaltugenden im Alltag leben
In unserem Alltag erleben wir, wie schwierig es ist, zwischen unterschiedlichen Interessen zu vermitteln und im wahrsten Sinne des Wortes „glaubwürdig“ zu handeln. Der enorme Druck, den Sie in der Behandlung und Betreuung von alten, kranken und behinderten Menschen erleben, hat viele Facetten: Der Mangel an ausreichenden Ressourcen, das sich verändernde Aufgabenspektrum, der Fortschritt in Medizin und Pflege, die gewachsenen Ansprüche von Angehörigen, Klienten, Mitarbeitenden, Bewohnern, Kollegen und Patienten, die zunehmende Komplexität von Aufgaben ... all das spielt eine Rolle; fordert uns heraus, wollen wir „klug“ und „gerecht“ entscheiden. Nur: was heißt in diesem Zusammenhang „Klugheit“ und „Gerechtigkeit“? Ist es beispielsweise „klug“, sich in der Zuwendung zu den uns anvertrauten Menschen zwar an gesetzliche Vorgaben zu halten, sich davon aber die Zeit nehmen zu lassen, die die Menschen wirklich brauchen? Ist es „gerecht“, Mitarbeitenden einen angestammten Arbeitsplatz zu nehmen und einen neuen Aufgabenbereich zuzuweisen, damit Arbeitsplätze erhalten bleiben? Gerade bei Interessenkonflikten gibt es in der Regel kein eindeutiges „Ja“ oder „Nein“. Was in dem einen Fall „richtig“ ist, kann in einer anderen Situation „falsch“ sein. Doch für die Verhältnismäßigkeit einer Entscheidung ist nicht nur das kluge Abwägen der verschiedenen Perspektiven und Interessen von Nöten. Es sind immer wir, die Menschen, die Verantwortung für Entscheidungen tragen und aufgefordert sind, das rechte Maß zu finden. Es sind immer Menschen, die handeln.
Sich auf das Wesentliche konzentrieren
In der Geschäftsführung der Einrichtungen der BBTGruppeergeht es uns dabei nicht viel anders, als Ihnen: Angesichts der vielen Herausforderungen, mit denen wir und Sie jeden Tag neu konfrontiert sind, verliert sich schnell das rechte Maß für das Wichtige oder das Dringliche, so dass manchmal Entscheidungen getroffen werden, die eben nicht „verhältnismäßig“ sind. Die Konsequenz ist, dass wir nicht nur in Gefahr laufen, uns zu verzetteln, sondern über unsere Verhältnisse leben, zusätzlichen Druck aufbauen und uns nicht auf das konzentrieren, was wirklich „wesentlich“ ist.
Zeugnis geben - Hoffnung schenken
Weihnachten lässt uns einhalten und erinnert uns daran, was „wesentlich“ ist. Jesus in der Mitte unseres Lebens und unserer Welt, als Hoffnungszeichen der Liebe Gottes zu uns Menschen, der uns Christinnen und Christen einlädt, unseren Nächsten von dieser Liebe Zeugnis zu geben. Dies ist der Grundauftrag der „Caritas“, dem wir in der Verbundenheit des Glaubens als Kirche verbunden sind und als Zeichen der Hoffnung in die Welt tragen. Gerade das bestimmt unser Handeln und soll uns helfen, das rechte Maß für unsere Entscheidungen zu finden – statt uns von der Vielzahl der unterschiedlichen Erwartungen, die wir uns selbst und Andere an uns stellen, treiben zu lassen.
Wir wünschen Ihnen und uns in der Dienstgemeinschaft aller Mitarbeitenden in den Einrichtungen der BBT-Gruppe, dass es uns im kommenden Jahr immer mehr gelingt, das rechte Maß zu finden, Wesentliches von Unwesentlichem, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und in unserem gemeinsamen Auftrag der Nächstenliebe Halt und Orientierung zu finden.
Ihnen, Ihren Familien und Freunden wünschen wir den weihnachtlichen Segen Gottes und ein frohes, maßvolles und gutes 2012.
Koblenz, Weihnachten 2011
Bruder Peter Berg
Generaloberer und Vorsitzender des BBT-Vorstandes
Bruder Alfons Maria Michels
Für die Geschättsführung der BBT-Gruppe
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