Dr. Hans-Christian Buschmann neuer Chefarzt / Prof. Dr. Wolfgang Petermann im Ruhestand
Paderborn. Dr. med. Hans-Christian Buschmann ist seit dem 1. Januar 2012 neuer Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Allgemeine Innere Medizin am Brüderkrankenhaus St. Josef. Er löst damit den langjährigen Chefarzt Prof. Dr. Wolfgang Petermann ab, der nach 23 Jahren in dieser Position in den Ruhestand tritt. Buschmann arbeitet mit Unterbrechungen schon seit 1997 mit verschiedenen Schwerpunkten im Brüderkrankenhaus, zuletzt seit 2005 als Oberarzt in der Klinik seines Vorgängers. Dort hat er den Schwerpunkt der Lungenheilkunde (Pneumologie) weiter ausgebaut. Der Wechsel wurde jetzt mit einem Festakt im Ferrarrisaal des Schützenhofes begangen.
Die Klinik mit über 80 Betten, in der im Jahr rund 3500 Patienten stationär behandelt werden, hatte sich schon unter Petermann zu einem Zentrum für Infektionskrankheiten entwickelt, von denen im Bereich der Inneren Medizin vor allem die naturgemäß hoch gefährdeten Atemwege befallen werden. Dem trage man unter anderem durch eine starke Vernetzung etwa im CAPNETZ, dem nach eigenen Angaben weltweit größten Forschungsnetzwerk für die ambulant erworbene Lungenentzündung, Rechnung. Der neue Chefarzt will den Bereich der Pneumologie weiter ausbauen. Dazu gehört auch das jetzt schon vorhandene Lungenzentrum, in dem Spezialisten aus verschiedenen Fachbereichen bei allen Erkrankungen gut- und bösartigen Erkrankungen der Lungen zusammenarbeiten. Schwerpunkte der Klinik werden die Versorgung von Patienten mit Chronischer Bronchitis (COPD), Asthma, Lungenfibrose, pulmonaler Hypertonie, Lungenkrebs und schlafbezogenen Atemstörungen (Schlaf-Apnoe) sein.
Der neue Chefarzt stammt gebürtig aus Bonn hat sein Studium in Bonn und Münster absolviert. Seine Facharztausbildung erfolgte in Paderborn, an der Universitätsklinik Magdeburg sowie der Lungenklinik Lostau. Buschmann sieht neben der Pneumologie seinen Schwerpunkt in der allgemeinen Inneren Medizin, der durch die so genannte Multimorbidität gekennzeichnet ist: Die immer älter werdenden Patienten litten nicht zuletzt auf Grund der gestiegenen Lebenserwartung an immer mehr verschiedenen Erkrankungen, deren Behandlungen mit einer Fülle von Wechselwirkungen verbunden sei. Trotz wachsender Spezialisierung sei daher ein ganzheitlicher Ansatz auch in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten in diesem Bereich der Medizin dringend vonnöten, sagt Buschmann.
Mit dem CAPNETZ hatte bereits der scheidende Chefarzt eng zusammengearbeitet, der 1989 nach Promotion und Habilitation sowie verschiedenen Forschungsaufenthalten in Deutschland, den USA und der Schweiz 1989 mit 42 Jahren als Nachfolger von Dr. Paul Brandenburg die Stelle als Chefarzt im Paderborner Brüderkrankenhaus angetreten hatte. „Es ist eine Klinik mit Kontinuität“, sagt der scheidende Mediziner, der auf eine über 40-jährige ärztliche Tätigkeit zum Wohl unzähliger Patienten zurückblicken kann. Trotzdem habe es während seiner 23 Jahre in Paderborn eine Menge Wandel gegeben, sagt er und vergleicht ihn mit der Einführung der modernen Satellitennavigationssysteme im Straßenverkehr. Die apparativ-klinische Diagnostik wie Magnetresonanztomographie, Ultraschalluntersuchungen oder die Labordiagnostik hätten einen ungemeinen Aufschwung erfahren, verleiteten aber gleichzeitig auch dazu, sich gänzlich auf sie zu verlassen und den eigenen Fähigkeiten und Wahrnehmungen als Arzt immer weniger zu vertrauen. Wie auch das Fahren mit Navigationssystemen die eigenen Orientierungsfähigkeiten verringere.
Immer mehr interventionelle Verfahren wie Lasern, Stents oder Ventilimplantationen hätten sich entwickelt. Zudem habe sich die Arbeit im Klinikalltag stark verdichtet. Habe die Verweildauer eines Patienten 1988 noch im Durchschnitt fast 16 Tage betragen, liege sie jetzt bei etwas über 6 Tagen. Die Folge dieser Verdichtung sei eine 7-Tage-Woche mit 24 Stunden-Dienst am Tag, sagt Petermann, der auch zehn Jahre ärztlicher Direktor des Brüderkrankenhauses war und im Rahmen seiner Lehrtätigkeit viele Mediziner während ihrer Ausbildung begleitet hat.
Ab jetzt werde er sich weniger den Formen der Lungenentzündung als vielmehr den Erscheinungsformen der heimischen Flora und Fauna widmen, freut sich der leidenschaftliche Fahrradfahrer, Liebhaber heimischer Orchideen und Hobbyornithologe Petermann. Am meisten aber freut er sich darauf, in Zukunft ungeachtet der Dienste im Krankenhaus als bekennender „extremer Fußballfan“ die Spiel des Paderborner SC (fester Stehplatz im Stadion ist schon gebucht) und des SC Schalke 04 verfolgen zu können. In diesem Punkt sind sich der scheidende (S 04) und künftige Chefarzt (BVB) nämlich ausnahmsweise nicht einig. Inwieweit der Chefarztwechsel auch zu einer farblichen Umdekorierung in der Klink führen wird, bleibt abzuwarten.